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Transparenz und Aufklärung bei der PFOA-Belastung im Landkreis Altötting haben höchste Priorität

11.04.2018
Günter Havlena  / pixelio.de
Günter Havlena / pixelio.de

„Die Aufklärung der Bevölkerung über die PFOA-Belastung im Landkreis Altötting muss weiter mit höchster Priorität betrieben werden.“, erklärt Martin Huber. Mehrere Bürgerinnen und Bürger hätten sich an ihn gewandt, um detailliertere Informationen zu bekommen. Diese stellt er im Folgenden gerne zur Verfügung.

 

Zunächst ist festzustellen, dass PFOA seit 2008 im Werk Gendorf weder hergestellt, noch im Prozess verwendet wird. Das heißt, dass seit dem keine neuen Einträge in den Boden geschehen. Das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) geht von einer hauptsächlichen Exposition über das Trinkwasser aus.

Seit 2006 nimmt das Gesundheitsamt Altötting jährlich Trinkwasserproben von zentralen Wasserversorgungen im Abstromgebiet des mit PFOA kontaminierten Bodens zur Untersuchung auf PFOA. Seit 2013 nimmt das Gesundheitsamt diese Proben zwei Mal jährlich. Die Untersuchungsergebnisse werden den Wasserversorgern samt Bewertung und Analyse durch das LGL zeitnah zur Verfügung gestellt. In diesem Zusammenhang wird auf die umfangreichen und detaillierten Ausführungen des LGL auf dessen Homepage verwiesen. Dort sind sogar die einzelnen Untersuchungsergebnisse seit 2016 veröffentlicht unter https://www.lgl.bayern.de/lebensmittel/warengruppen/wc_59_trinkwasser/ue_2016_trinkwasser_pft_messwerte.htm

Was die Untersuchungen von Lebensmitteln angeht, ist folgendes auszuführen. Seit 2006 wurden zunächst Fische, dann weitere Lebensmittel des alltäglichen Gebrauchs wie Milch und Honig bis hin zu Wildschwein-Innereien untersucht. Zum Verfahren: Das LGL stellt eine Anfrage an das zuständige Veterinäramt, das wiederum die Stichprobenahme von regionalen Produkten organisiert. Diese Stichproben werden an das LGL zur Laboruntersuchung übermittelt. Dort werden die Proben nach einer wissenschaftlichen Methode aufgearbeitet. Die Ergebnisse der Untersuchung von Lebensmitteln tierischen Ursprungs auf PFT von 2007-2010 sind ebenfalls auf der Internetseite des LGL abrufbar: https://www.lgl.bayern.de/lebensmittel/chemie/kontaminanten/pfas/ue_2010_pft_lebensmittel_tierisch.htm

Darüber hinaus ist die Bestimmung der perfluorierten Verbindungen und damit auch von PFOA Bestandteil des bundesweiten Monitoring-Programmes. Im Rahmen dieses Programmes analysiert das LGL jährlich ein bestimmtes Probenkontingent an bundesweit vorgegebenen Lebensmittelproben und ergänzt dieses durch zusätzliche Proben, um ein möglichst breites Spektrum an Lebensmitteln abzudecken. So werden jährlich am LGL zwischen 100 und 200 Lebensmitteluntersuchungen abgeschlossen. Dabei stellen Proben aus der Region um Gendorf einen nicht unerheblichen Anteil. Im Jahr 2017 betrug dieser z.B. 29 Prozent der eingegangenen Lebensmittelproben und 90 Prozent der Trinkwasserproben.

Das Amt für Veterinärmedizin und Lebensmittelsicherheit gibt zu den Lebensmittel- und Futtermitteluntersuchungen folgende Hinweise. Seit November 2006 bis 2017 wurden insgesamt 352 Lebensmittelproben, schwerpunktmäßig aus den besonders gefährdeten Gebieten Burgkirchen und Kastl auf PFOA und PFOS untersucht. Das Probenspektrum umfasste unter anderem Fische, Eier, Milch, Honig, pflanzliche Lebensmittel, Speisepilze, Geflügelfleisch (mit Leber), Schweinefleisch (mit Leber und Niere), Rindfleisch (mit Leber und Niere), Schaf-/Lammfleisch (mit Leber und Niere), Wildgeflügel (mit Leber), Rehwild (mit Leber) sowie Wildschweinfleisch (mit Leber und Niere). Das Veterinäramt fasst zusammen, dass in der Mehrzahl der Proben keine oder nur eine relativ geringe Belastung mit PFOA oder PFOS festgestellt wurde. Dies betraf vor allem die Produktgruppen pflanzliche Lebensmittel (einschließlich Futtermittel), Pilze, Honig, und Milch sowie das Muskelfleisch von Geflügel, Schweinen, Rindern, Schafen und Wild. Bei den Fischen aus der Alz wurden anfänglich (2006) noch etwas höhere Werte für PFOA festgestellt, die sich aber seit 2009 mit Ausnahme beim Aal gegen Null bewegen. Die höchsten PFOA-Werte, aber auch PFOS-Werte, wurden in den Lebern und Nieren von einzelnen Wildschweinen festgestellt. Die Untersuchungen von Wildschweinen starteten erst im Jahr 2010, da vorher das Wildschweinaufkommen im Landkreis noch sehr niedrig war.

Bei 12 Wildschweinleberproben, 3 Wildschweinnierenproben und 3 Wildschweinfleischproben erfolgte aufgrund der teils extrem hohen Belastung mit PFOA aber auch PFOS eine Bewertung als „nicht sicheres Lebensmittel“ und damit „nicht zum Verzehr geeignet“. Darin enthalten sind drei Wildschweine mit insgesamt 8 Proben, die im Nachbarlandkreis erlegt worden sind und bei denen extrem hohe PFOS-Werte nachgewiesen worden sind. Bei allen übrigen untersuchten Lebensmittelproben bestand nach der toxikologischen Bewertung keine Gesundheitsgefährdung für die Verbraucher.

Diese Einschätzung wird untermauert durch Gemüseproben aus Privatgärten in der Region Gendorf, die erst im Jahr 2017 auf PFAS untersucht wurden. Es zeigte sich, dass in diesen Proben PFOA, wenn überhaupt, nur in gesundheitlich nicht relevanten Spurengehalten nachweisbar war. Die Beprobungen durch das LGL werden auch im Jahr 2018 fortgesetzt.

„Es ist erfreulich, dass bis auf die Proben von Wildschweinen, die nicht mehr in Verkehr zu bringen sind, keine gesundheitsgefährdenden Werte festgestellt worden sind. Deshalb halte ich es für geboten, sich den erhöhten Werten im Trinkwasser zuzuwenden und diese Werte zu verringern. Der Einbau von Aktiv-Kohle-Filtern ist nachgewiesenermaßen der dazu gangbare und effektive Weg.“, so Huber. Er forderte bereits im letzten Jahr das Werk Gendorf und die verantwortliche Firma Dyneon dazu auf, ihrer Verantwortung gerecht zu werden.

„Es ist mir wichtig, zu betonen, dass die Verursacherfirmen aufgerufen sind, die Kosten zur Behebung der Schäden zu tragen. Dies betrifft insbesondere den Einbau und Betrieb der Aktiv-Kohle-Filter in den betroffenen Trinkwasserbrunnen.“, so Huber. Die Bevölkerung erwarte zu Recht, dass nicht nur die Schäden beseitigt, sondern auch volle Transparenz hergestellt werde. Der Abgeordnete sieht es positiv, dass das Landratsamt, das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) und auch das Gesundheitsministerium die Wichtigkeit des Themas erkannt haben und die Transparenz auch herstellen.

Dr. Martin Huber MdL

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